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Dienstag, 21. November 2023

Ausflug nach El Alto und ins Valle de las Animas

 Ausflug nach El Alto

 

Um 10:00 Uhr holte uns David, der junge Mann, den wir auf dem Schiff zurück von der Isla de Sol kennen gelernt hatten, vom Hotel ab. Zügig ging es zur ersten Seilbahnstation. Verwundert waren wir über die Gestaltung, Organisation und Sauberkeit der Anlage. Österreichische Qualität eben! Schnell und sicher ging es aus dem Talkessel nach oben, eine perfekte Sicht über die Stadt. Über El Alto, nachdem wir aus dem Kessel aufgestiegen waren, zeigte uns David die so genannten Cholets.




In Bolivien wird dieser Typ des Hauses „Cholet“ genannt, eine Mischung aus „Chalet“ und „Cholo“, einer geringschätzigen, rassistischen Bezeichnung für die indigene Bevölkerung. In der Bevölkerung jedoch wird diese Bauweise sehr angenommen und die aufsteigende Bürgerschicht der Aymara benutzen den Stil bereits, um sich mit ihrer eigenen Kultur und Tradition zu identifizieren. Die Cholets haben eine ganz bestimmte Struktur: Im Erdgeschoss findet die kommerzielle Tätigkeit statt, Fleischer, Wäschereien, Nahrungsmittelverkauf. Der erste Stock beherbergt einen Ballsaal oder Partyraum für gesellschaftliche und familiäre Zusammenkünfte, während im zweiten Stock Wohnungen vermietet werden und der Besitzer im obersten Geschoss wohnt. Auf dem Foto hat der Besitzer sich ein ganzes Haus auf das Dach gebaut.


Das Crucero de los Andes hat 11 Stockwerke. Auf seiner großen Terrasse steht das vierstöckige Schiff mit einer Kommandobrücke eines echten Schiffes, inklusive eines großen Ruders, in das der Gott Inti (Sonne) eingraviert ist. Der Bau begann vor sieben (?) Jahren, als über eine internationale Klage debattiert wurde, die Bolivien gegen Chile angestrengt hatte, um den Zugang zum Meer einzufordern.

Das sog. Titanic-Haus wurde erst 2023 eröffnet. Der Architekt ist Fredy Mamani. Die auffällige farbige und formenbezogene Gestaltung ist typisch für seine Häuser. Es finden sich Formen und Farben aus der indigenen Handwerkskunst wieder.

Freddy Mamani ist als autodidaktischer Architekt und durch seine auffälligen Bauwerke „neoandiner Architektur“ auch genannt „Transformer-Architektur“ bekannt geworden. Mittlerweile gibt es in El Alto mehr als siebzig seiner Projekte und weitere 100 sind in ganz Bolivien verstreut. Er ist ein recht umtriebiger Bauschaffender.

Als wir aus der Seilbahn ausgestiegen waren, erwartete uns ein chaotisches Stadtgetümmel, das uns sehr stark an indische Großstädte erinnerte: viele Menschen, unübersichtlicher Verkehr, Lautstärke, Straßen-Verkäufer, Marktstände und unangenehme Gerüche, vor allem der Benzin- und Abgasgestank der überall präsenten Kleinbusse.


Mit David probierten wir an einigen Straßenständen Spezialitäten des Landes. Wir aßen die berühmte „Salteña“, eine kleine Empanada mit Füllungen, auch mit vegetarischen Optionen. Danach ging es zu einer Schamanin, die nach einer längeren Zeremonie in ihrem Holzverschlag unsere auf dem Hexenmarkt gekauften Opfergaben auf einem Holzgrill verbrannte, dabei Rotwein, um den Grill herum verteilte und dies alles mit Sprüchen und den Namen der Beteiligten begleitete.


Diese Dame praktiziert in einem Laden auf dem Hexenmarkt und bereitet das Opfer vor. Es besteht aus zahlreichen, kleinen Gegenständen.

In El Alto verarbeitet die Schamanin die Opfergaben weiter, bespricht sie mit den Namen derjenigen, für die dieses Opfer Gesundheit und Wohlstand bringen soll.

Den Abschluss der Zeremonie stellt das Verbrennen der Opfergaben dar.

Im weiteren Verlauf des Vormittags bewegten wir uns mit verschiedenen Sammeltaxis und unter Benutzung der Seilbahnen durch El Alto. David zeigte uns einige interessante Orte und erzählte von seinem Leben und das seiner Familie. Wir gingen in ein typisches Restaurant, das Essen war allerdings enttäuschend. Das Besondere an dem Essen war wohl das getrocknete Lama-Fleisch, das wie sehr dünne, trockene Spaghetti aussah. Da hatte es an den Straßenständen besser geschmeckt.


Zum Abschluss fuhr David mit uns wieder zurück hinunter nach La Paz. Diesmal mit einem Bus, der über eine Schnellstraße ins Zentrum fuhr. Gemeinsam besuchten wir das sehr sehenswerte ethnologische Museum. Dann gingen wir in ein beliebtes Café in der Nähe des Plaza Murillo zum Kaffeeklatsch mit leckerem Cappuccino und Kuchen.

Mit großen Tonfiguren werden im Museum typische Tänze veranschaulicht.

Auch die Keramik-Sammlung ist sehr professionell gestaltet. Hier ein Trinkgefäß zu zeremoniellen Zwecken der Tiwunaku-Kultur.

Der Saal mit den traditionellen Instrumenten. Es dominieren alle Arten von Flöten.

Am beeindruckendsten war der Raum mit den auch heute noch gebräuchlichen Masken. Perfekte Ausleuchtung in einem ansonsten dunklen Raum geben dem Ganzen fast einen unheimlichen Charakter.

Ausflug zum Valle de las Animas
Mit einem Kleinbus starteten wir vor der Kirche San Francisco nach Einweisung durch einen freundlichen Einheimischen in Richtung des Ortes Uni. Die Fahrt ging länger als eine Stunde quer durch die Stadt, durch den südlichen und wohlhabenden Teil La Paz, wieder heraus aus dem Kessel bis zu der Endstation Valle de las Animas. Von dort machten wir uns mit Hilfe unseres geliehenen Rother-Reiseführers und durch Nachfragen bei Einheimischen auf zum Einstieg in einen beschriebenen Rundgang.

Der freundliche Herr begrüßte uns an der Haltestelle des Tals der Seelen.

Leider blieben wir bei der Suche nach den Wanderweg erfolglos. Die angegebenen Orientierungspunkte waren nicht zu finden. Aber wir fanden den Eingang in eine spektakuläre Schlucht und kamen auf einen Pfad, den wir mehr als eine Stunde bergauf folgten. Wir bewegten uns in einem ansteigenden Talkessel, unter uns kleine Büsche und festes Pampagras, vor uns abgeflachte Berggipfel und links und rechts von uns  bizarre Felsformationen. Auch weiter oben über 4000 Meter gab es unterirdische Quellen, feuchte grasbewachsene Abschnitte und verlassene Lagerplätze von Schäfern. Wir stießen auf eine Schafherde, die von zwei Hunden bewacht wurde, so dass wir uns zunächst nicht weiter hinauf trauten. 


Diese eine so farbenfroh blühende Kakteenpflanze entdeckten wir.




Bis zum Gipfel der Bergrücken stiegen wir dann doch nicht auf. Es wurde so anstrengend, bei dieser Höhe über 4200 m weiter aufzusteigen. Umso schneller waren wir dann wieder im Tal und an der Autostraße.

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