Der lange Weg nach Buenos Aires
Aufgrund eines Generalstreiks als Reaktion auf die angekündigten Maßnahmen des neuen Präsidenten konnten wir nicht von Bariloche nach Buenos Aires fliegen. Da auch für die nächsten Tage keine Plätze in einem Flugzeug zu bekommen war, entschieden wir uns schweren Herzens für eine Busfahrt. Der Bus startete am Mittwoch um 19:45 Uhr und war nach 26 Stunden am Donnerstag gegen 22 Uhr im Norden von Buenos Aires angekommen. Freundlicherweise konnten wir unsere Airbnb Wohnung in Bariloche noch bis zum Abend nutzen und mussten nicht wie häufig in Hotels unser Zimmer um 11:00 Uhr räumen.

Die Busfahrt war insgesamt in Ordnung. Michael musste allerdings nachts ein paarmal an der Treppe zur ersten Etage des Doppeldeckers ein paar Übungen machen und längere Zeit stehen, um die Nervenreizungen vom Sitzhöcker ausgehend zu beseitigen. Der Bus fuhr ruhig und man saß bequem. Die Fahrt dauerte auch deswegen so lange, weil verschiedene Busbahnhöfe im Inland und in Buenos Aires angefahren wurden. Vom zentralen Busbahnhof nahmen wir ein Taxi bis in das benachbarte Stadtviertel Palermo. Dort wohnen wir im nördlichen Teil von Palermo, in einer relativ ruhigen Straße. Allerdings ist die Wohnung aufgrund der großen Fensterflächen sehr hellhörig, da weiß man die Ruhe in der Gotenstraße zu schätzen.
 |
Blick von „unserem“ Balkon, Wohnung im nördlichen Palermo.
Spaziergang durch Palermo |
 |
| Palermo ist reich an Wandmalereien. |
 |
| In Palermo gibt es zwei wichtige Plätze: Dieses Foto zeigt den kleinen Platz Serrano oder Plaza Cortazar mit einigen Verkaufsständen für Touristen. |
 |
| Der zweite wichtige Platz von Palermo ist größer und bestimmt durch einen Kinderspielplatz. Er heißt Plaza Palermo Viejo oder Plaza Emigrantes de Armenia. |
 |
| Ein Moment ohne Autos und sehr schön, die vielen Straßenbäume! |
 |
| Am Serrano-Platz |
Im MALBA - Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires  |
| Einblick ins Innere des Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires. Zu sehen eine Installation der chilenischen Künstlerin Cecilia Vicuña. |
 |
| Ein wichtiges Werk der Ausstellung, weil es die Hinwendung der südamerikanischen Künstler zur Kultur und Formensprache der Ureinwohner (hier Mexikanisch) zeigt. Abaporu von 1928 oder „Mensch, der einen Menschen isst“ von dem brasilianischen Maler Tarsils do Amaral. |
 |
| Sehr dominant im Eingangsbereich der Ausstellung „Oder Unmöglich“ von Maria Martins von 1946 |
 |
| Antonio Berni von 1962: Die große Versuchung, erinnert an George Grosz |
 |
| Hector Poleo von 1943: Drei gehende Figuren |
 |
| Werk von Pablo Suarex von 1999 „Exklusion“ |
 |
| Peruanische Geschichte ist auch argentinische Geschichte: künstlerische Auseinandersetzung mit der Ermordung von Tupac Amaro |
 |
| Aus der Hippiephase von Cecilia Vicuña aus den 60er Jahren in Chile. Nach dem Putsch 1973 ging sie zunächst nach England ins Exil. |
Szenen aus einer großen Stadt, in der es viel zu viel zu sehen gibt, als das man es das meiste davon dokumentieren könnte.
 |
| Im Stadtzentrum. Blick zum 68 Meter hohen Obelisken von 1936, der an vier Schlüsselereignisse der Stadt erinnert. |
 |
| Das Cabildo in Buenos Aires diente als Regierungsgebäude der Stadtverwaltung während der Kolonialzeit. Es war ein wichtiger Schauplatz für politische und soziale Versammlungen, darunter die berühmte Revolution von 1810, die zur Unabhängigkeit Argentiniens führte. Heute beherbergt das Cabildo ein Haus des Nationalen Historischen Museums, das Artefakte, Dokumente und Exponate zur Geschichte Argentiniens präsentiert. Das Gebäude mit einer Kolonnade im Kolonialstil und spiegelt die Bedeutung des Ortes für die nationale Identität wider. |
 |
| Zentrum der historischen Innenstadt von Buenos Aires ist der Plaza de Majo. Hier liegen die wichtigsten historischen Gebäude, u.a. der Präsidentenpalast. Der Regierungspalast wird auch Casa Rosada genannt. Die Wandfarbe ist eine typische Farbe aus dem 19. Jahrhundert, der häufig Ochsenblut bei gemischt wurde. Der Präsident lebt nicht in diesem Palast. Er wird eingeflogen, per Hubschrauber. |
 |
Die griechischen Säulen der neoklassizistischen Fassade täuschen, hier befindet sich eine katholische Kathedrale, in der der gegenwärtige Papst Franziskus gepredigt hat.
|
 |
| Der Innenraum der Kathedrale Metropolitana in schlichter Größe. |
 |
| In der Kathedrale gibt es vor dem Mausoleum des Helden der Unabhängigkeit General Jose de San Martin eine Ehrenwache. |
 |
| Am Plaza Lavalle liegt der Justizpalast (nicht im Bild) und das berühmte Teatro Colon, ein Opernhaus mit französischer Renaissancefassade (mit rosa Anstrich im Hintergrund) |
Das Highlight am Samstag war der Besuch einer der schönsten Buchhandlungen der Welt „El Ateneo“
Das Gebäude wurde ursprünglich als Theater von den Architekten Peró und Torres Armengol für den Auftraggeber Max Glücksman erbaut. Die Ausmalungen und der Figurenschmuck nehmen Bezug auf den Waffenstillstand zur Beendigung des Ersten Weltkrieges. Im Mai 1919 fand die Eröffnung statt. Bereits in den späten 1920ern wurde es in ein Kino umgewandelt und im Jahr 2000 in die bis heute bestehende Buchhandlung der Kette Ateneo.
Am Sonntag ging es zum Flohmarkt nach San Telmo, zu einem weiteren Museum für Moderne Kunst und in das Stadtviertel La Boca.
| San Telmo, ein historisches Viertel in Buenos Aires, zeichnet sich durch seine reiche Geschichte, koloniale Architektur und künstlerische Atmosphäre aus. Als eines der ältesten Viertel der Stadt präsentiert es gut erhaltene Kolonialbauten und gepflasterte Straßen. Das Viertel ist ein Schmelztiegel der Kulturen und beheimatet eine lebendige Kunstszene, mit zahlreichen Galerien, Antiquitätengeschäften und Tango-Clubs. |
|
 |
| Im Stadtviertel San Telmo befindet sich die älteste Kirche der Stadt, die als "Iglesia Nuestra Señora de Belén" bekannt ist. Der Bau der Kirche begann im Jahr 1734 und sie wurde als Teil eines Klosters der Mercedarier-Mönche eingeweiht. |
Ein Höhepunkt in San Telmo ist der sonntägliche Flohmarkt entlang der Calle Defensa. Hier bieten Händler Antiquitäten, Kunsthandwerk und Kleidung an, während die Straßen von Straßenkünstlern und Musiker belebt werden. Der Hauptplatz, Plaza Dorrego, ist ein geselliger Treffpunkt mit Cafés und Restaurants, die eine vielfältige kulinarische Erfahrung bieten. Das Viertel ist außerdem ein Zentrum der Tangokultur, mit zahlreichen Milongas und Tango-Schulen.
 |
| Mate-Tee-Becher an einem Verkaufsstand des Flohmarkts. Das gemeinsame Mate-Teetrinken hat eine wichtige soziale und kulturelle Bedeutung in Argentinien. |
Im Museo de Arte Moderno - MAMBA -, in San Telmo waren sehr sehenswerte Präsentationen zu unterschiedlichen Themen zu sehen. Auf dem ersten Flur eine Auseinandersetzung mehrerer Künstler mit ökologischen Themen. Mir (Michael) haben die Arbeiten von Nicolas Uriburu gefallen.
 |
Nicolás García Uriburu (1937–2016): Nicolás Uriburu war ein Pionier der Umweltkunst und wurde besonders für seine "Grüne Aktionen" bekannt. Eines seiner bekanntesten Werke war die "Färbung" des Canal Saint-Martin in Paris während der Biennale von Venedig im Jahr 1968. Uriburu färbte den Kanal mit einem grünen Pigment und setzte damit ein auffälliges Statement zur Umweltverschmutzung. Uriburu setzte sich in seinen Arbeiten oft mit ökologischen Themen auseinander. Seine Kunstaktionen waren häufig politisch und poetisch zugleich. |
 |
| Teil eines großen Wandgemäldes im MAMBA |
La Boca, ein farbenfrohes Viertel in Buenos Aires, ist berühmt für seine lebhaften Straßen, bunte Häuser und künstlerische Atmosphäre. Es beheimatet das ikonische Caminito, eine schmale Gasse mit bunten Gebäuden, Street Art und Tango-Aufführungen. Das Viertel hat eine reiche Geschichte als Einwandererviertel und ist die Heimat des Fußballvereins Boca Juniors. Während La Boca kulturell reich ist, wird Besuchern geraten, auf ihre Sicherheit zu achten und sich auf die touristischen Gebiete zu konzentrieren. Es ist ein Ort, der die lebendige Kultur Buenos Aires' widerspiegelt.

 |
| Das Stadion |
 |
| Touristischer Trubel in Carminito |
 |
Benito Quinquela Martín (1890–1977): Bekannt für seine Darstellungen des Hafens von La Boca und der Arbeiterviertel von Buenos Aires.
|
Am Montag besichtigten wir den Cementario Recoleta.
Der Friedhof Recoleta ist eine faszinierende Ruhestätte und eine der wichtigsten Touristenattraktionen. Er wurde 1822 eröffnet und beherbergt beeindruckende Mausoleen, die kunstvoll gestaltet und oft im neoklassizistischen Stil gehalten sind. Berühmte Persönlichkeiten wie Eva Perón sind hier begraben. Die Atmosphäre ist von Eleganz und Geschichte geprägt, wobei viele Grabstätten künstlerisch verziert sind. Die Architektur spiegelt den Reichtum und die Vielfalt der argentinischen Gesellschaft wider. Der Friedhof ist ein Kulturerbe und bietet einen Einblick in die Geschichte des Landes. Besucher schätzen die beeindruckende Sammlung von Gräbern und die ruhige, einzigartige Umgebung.
 |
| Blick auf den Friedhof vom benachbarten Kaufhaus. |
Am Dienstag flüchteten wir vor der Hitze ins Museum der Schönen Künste, freuten uns über den freien Eintritt und die schön präsentierten Sammlungen. Anschließend kauften wir in der Hafengegend Karten für die Fähre nach Uruguay und spazierten an den vier Hafenbecken im Puerto Madero entlang.
Das Museo Nacional de Bellas Artes ist eines der wichtigsten Kunstmuseen des Landes. Es befindet sich im Stadtteil Recoleta und wurde im Jahr 1895 gegründet. Das Museum beherbergt eine beeindruckende Sammlung argentinischer und internationaler Kunstwerke. Die Sammlung umfasst Gemälde, Skulpturen, Grafiken und dekorative Kunst aus verschiedenen Epochen. Die Exponate reichen von der mittelalterlichen - bis zur zeitgenössischen Kunst. Bekannte Künstler wie Rembrandt, Goya, Van Gogh, Picasso und viele argentinische Künstler sind in der Sammlung vertreten.
 |
| Aus der kleinen Sammlung der Werke Goyas |
 |
| Die Dame mit dem blauen Halsband |
 |
| Den Werken des schwulen Künstlers und Aktivisten Gumier Maier (1953-2021) war ein ganzer Raum gewidmet. |
Puerto Madero ist ein modernes Hafenviertel, das sich entlang des Ufers des Río de la Plata erstreckt. Es hat sich zu einem der schicksten und trendigsten Viertel der Stadt entwickelt. Ursprünglich ein Hafengebiet, wurde Puerto Madero in den 1990er Jahren umfassend renoviert und in ein modernes und gehobenes Stadtviertel umgewandelt. Der Umbau zielt darauf ab, die historische Struktur zu bewahren und gleichzeitig moderne Gebäude und Annehmlichkeiten hinzuzufügen.
Puerto Madero ist bekannt für seine avantgardistische Architektur. Viele der Gebäude sind moderne Wolkenkratzer mit Glasfassaden und innovativem Design. Einige restaurierte Hafengebäude sind ebenfalls Teil des Viertels, was eine interessante Mischung aus Alt und Neu schafft.
Puente de la Mujer: Das Viertel ist auch für das ikonische "Puente de la Mujer" (Frauenbrücke) bekannt, eine schwenkbare Fußgängerbrücke, die von dem spanischen Architekten Santiago Calatrava entworfen wurde.
Am Mittwoch den 31.1. besuchten wir zwei kleine Museen, den japanischen Garten und kurz einen Tierpark beim Plaza Italia. Draußen war’s fast unerträglich heiß, und so freuten wir uns über die Klimaanlage in unserem Apartment und über den kleinen Pool auf dem Dach.
Werke von Xul Solar hatten wir bereits in zwei Museen betrachtet. Der Aufenthalt in dem kleinen Museum war aufgrund der architektonischen Gestaltung und der zusätzlichen Informationen durch eine Museumsdame lohnenswert.
Xul Solar war ein bedeutender argentinischer Künstler, Maler und Schriftsteller. Er wurde 1887 in Buenos Airs geboren und verstarb 1963. Xul Solar war eine einflussreiche Figur in der argentinischen Kunstszene des 20. Jahrhundert. Er entwickelte einen einzigartigen Stil, der Elemente des Surrealismus, der Abstraktion und der Symbolik vereinte. Seine Werke sind oft von einer spielerischen und mystischen Atmosphäre geprägt, und er schuf eigene Symbole und Schriftzeichen, die als "Neoschrift" bekannt sind. Neben der Malerei war Xul Solar auch als Schriftsteller, Astrologe und Erfinder aktiv.

Das Xul Solar Museum wurde 1996 eröffnet und widmet sich dem Erbe des Künstlers. Das Museum befindet sich im Stadtviertel Palermo in einem Haus, das einst Xul Solars Wohn- und Arbeitsstätte war. Die Sammlung umfasst Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Bücher, Schriften und persönliche Gegenstände des Künstlers. Das Museum bietet einen Einblick in Xul Solars einzigartige künstlerische Vision und sein breites Spektrum an kreativen Interessen.
Im kleinen, sehr gut besuchten japanischen Garten im Stadtteil Palermo
 |
| Ein Pampas-Hase, gar nicht scheu, im Tierpark. |
An unserem letzten Tag in Buenos Aires - bei brütender Hitze - besuchten wir zwei Museen, einmal klimatisiert und im zweiten wirbelten die Ventilatoren.
Museo de Arte Hispanoamericano Isaac Fernández Blanco
Das Gebäude wurde ursprünglich vom Architekten Noel als persönliches Wohnhaus im neokolonialen Stil errichtet. 1936 erwarb die Stadt das Haus zusammen mit der Kunstsammlung, die von Noel über die Jahre angelegt wurde. Ein Jahr später wurde das Museo de Arte Colonial eröffnet. 1943 stiftete Isaac Fernández Blanco seine Sammlung dem Museum. Blanco war ein musikinteressierter Ingenieur und das Familienvermögen half ihm, eine Sammlung von Streichinstrumenten anzulegen. Später dehnte er sein Interesse auf Objekte aus Lateinamerika aus, darunter Silberobjekte, Gemälde, Möbel, Bücher und Dokumente.

Museo National de Arte Decorativo
Das Museo Nacional de Arte Decorativo wurde 1937 gegründet und befindet sich in einem prächtigen Palast, dem ehemaligen Residenzhaus der Familie Errázuriz Alvear. Der Palast, auch als Palacio Errázuriz bekannt, ist ein herausragendes Beispiel für französische Architektur des 18. Jahrhunderts und wurde vom Architekten René Sergent entworfen.
Das Museum beherbergt eine beeindruckende Sammlung von Kunstwerken und dekorativen Objekten, die hauptsächlich aus dem 17. bis 20. Jahrhundert stammen. Die Sammlung umfasst Möbel, Gemälde, Skulpturen, Porzellan, Silberwaren, Textilien und mehr. Die Exponate repräsentieren verschiedene Stile und Epochen der Kunstgeschichte.