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Dienstag, 9. Januar 2024

Abschied von Chiloe, Puerto Varas, Park Rosales

Auf Wiedersehen Chiloe!

Am 9. Januar 2024 verließen wir die Insel Chiloe. 

Am Morgen war es bei Gabrielle in ihrem gemütlichen Hostel noch sehr kommunikativ zugegangen. Beim gemeinsamen Frühstück in der geräumigen Küche wurde sich in Englisch, Französisch und Spanisch unterhalten. Am Abend hatten wir in dem gemütlichen Wohnzimmer bei einem gut wärmenden Gasofen gesessen und hatten am Blog geschrieben bzw. weitere Unterkünfte gebucht. Später gesellten sich zwei junge Franzosen zu uns und wir tauschten uns bis nach Mitternacht über Reiseerfahrungen und Reisepläne aus.

Gabrielle ist eine sehr herzliche Frau, mit der man schnell warm wird. Mit ihr gab es schöne Gespräche, wobei die Kommunikation mit Michael erschwert war, da er immer noch zu wenig Spanisch und Gabrielle kein Englisch versteht. Mit dem gegenseitigen Zeigen von Fotos und Filmen konnte unsere Gastgeberin etwas von ihren Theaterprojekten und Michael von seiner Arbeit in der Schule berichten. Der Abschied von dieser sehr gastfreundlichen und offenherzigen Frau fiel mir - Michael - jedenfalls schwer und bei Gabrielle schien es genauso zu sein. - Aber die Reise geht weiter! 

Ein Ausschnitt aus einer Reliefkarte im Regional-Museum von Ancud.

Auf der Fahrt kurz hinter Castro stellten wir fest, dass die Tankfüllung sich dem Ende näherte. Immer wenn es einen Hügel hinauf ging, teilte uns der Tankanzeiger mit, dass bald kein Benzin mehr im Tank sei. Und es waren noch 50 km nach Ancud, wo wir eine Tankstelle vermuteten. Kurz vor Ancud war dann alles verbraucht und die Anzeige schaltete auf ein Dauerblinken. Wir sahen uns schon den Wagen an den Straßenrand schieben und zu Fuß zu einer Tankstelle marschieren, da erreichten wir in letzter Minute wunderbarerweise bei der Einfahrt nach Ancud eine Tankstelle. - Es stand ja schon im Reiseführer: auf der Carretera Austral gibt es nur wenige Tankstellen, also vorher gut informieren!
Mythologischen Geschichten und entsprechende Figuren sind auf der Insel an einigen Stellen präsent. In Castro findet man große Holzfiguren samt Erläuterungen am Straßenrand. Hier eine Figur - der Trauco - hinter Glas (aus dem Museum in Ancud). Der Trauco ist ein Zwerg, der im Wald lebt. Er hat ein hässliches Gesicht und Beine ohne Füße. Frauen finden ihn trotzdem unwiderstehlich und verfallenen regelmäßig seiner sexuellen Potenz. Viele Figuren der Insel Chiloes haben einen ausdrücklichen sexuellen Charakter und mischen sich in das Leben der Menschen ein. 

Foto einer deutschstämmigen Familie vor hundert Jahren bei einem Sonntagsausflug - Museum Ancud

Wir fuhren noch einmal in das Zentrum von Ancud und besichtigten das regionale Museum. Nach einem guten Kaffee ging es zurück ins Auto. Mit der Fähre ging es wieder ans Festland zurück und wir steuerten direkt Puerto Varas an. 

Nach einem kurzen Bummel durch das recht touristische und europäisch wirkende Puerto Varas, fuhren wir ein paar Kilometer weiter nach Llanquihue zu einem ehemaligen Wohnhaus der deutschen Unternehmerfamilie Werner, das heute ein Hotel ist. Markus begeisterte die geschmackvolle Inneneinrichtung des Hauses und Michael für das Vogelbrutgebiet von Möwen und Kormoranen direkt hinter dem Garten des Hauses. 


Hier brüten Kormorane in den Bäumen.


Abends machten wir einen Bummel zum See und spazierten am Seeufer entlang. Der Ort wirkt unaufgeregt und es sind vor allem inländische Touristen unterwegs. In einer Restobar gab es für uns noch einmal Lachs-Chiviche und Thunfisch zum Abendessen.

Llanquihue, der alte Teil der Kleinstadt 

Der kleine Ort ist voller geschnitzter Holzplastiken - vielfach mythologische Figuren. Die freistehenden Krippenfiguren fanden wir originell aufgrund ihrer Größe und Schlichtheit.

Im Nationalpark Vincente Perez Rosales

Nach einem reichhaltigen und leckeren Frühstück im Casa Werner fuhren wir ca. 60 km auf einer weitgehend ruhigen Straße über sanfte Hügel am riesigen Lanquehue-See entlang bis zum Nationalpark. Am Todos-Los-Santos-See war eine kostenlose Parkmöglichkeit. Der Start der Wanderung zu einem Aussichtspunkt unterhalb des Osorno-Vulkans (2256m) begann wenige Meter vom Seeufer entfernt

Den reißenden Rio Petrohue kann man sich an zwei gut ausgebauten Aussichtspunkten nahe der Straße, die zum Park führt ansehen. 

Der Vulkankegel des Osorno ist nur selten so frei zu sehen.

Die meisten Touristen in dieser Gegend machten eine kurze Bootsfahrt auf dem See, wobei eine kleine Insel umrundet wurde. Der Strand besteht aus sandförmigem Lavagestein.

Zunächst ging die Wanderung in Richtung des Vulkankegels nur leicht aufwärts, später wurde es etwas steiler. Zwei breite Flussbetten durchquerten wir, wo vor Jahrzehnten der Lavastrom den Berg hinunter geflossen war. Die Wanderung in dieser schönen Landschaft mit Blick auf den Zuckerhut, den strahlend blauen See und die umliegenden Berge wurde leider getrübt von den Attacken der großen Gouchoschwanz-Bremse.


Auch diese Eidechse war nicht schreckhaft und ließ sich von allen Seiten aufnehmen. Sie bewohnt den Lavabrocken am Aussichtspunkt Lapicada oberhalb des Sees.



Nach der vierstündigen Wanderung und  nach permanenten Angriffen durch die Bremsen waren wir ziemlich genervt und erschöpft. Ruhe vor den Insekten hatten wir nur am Aussichtspunkt, vermutlich weil es dort windig war und auf  dem Weg im Wald hinter der Uferzone des Sees. Am schlimmsten war es auf dem Sandweg direkt am See. Jeder von uns wurde von mindestens zehn Bremsen mit lautem Brummen umkreist. Das permanente Umsichschlagen brachte auch nicht viel, so dass Michael sich seinem Schicksal stoisch ergab, während Markus sich zumindest zwischendurch einmal freute, wenn er wieder eine Bremse erlegt hatte.

Dieses Foto hat Markus mit seiner Handykamera aufgenommen, als sich dieses freche Vieh auf seiner Hose niederließ. 


Uferweg am Todos Los Santos See


Blick auf den Lago vom Waldwanderweg aus



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