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Montag, 4. März 2024

Medellin

Blick von der Dachterrasse „unseres“ Hotels 61 Prado im Stadtviertel Prado. In der Ferne sieht man, wie sich die Stadt immer weitere Teile der umgebenden Berge erobert.

Medellín ist die Hauptstadt des Departamento Antioquia in Kolumbien. Mit mehr als 2,6 Millionen Einwohnern ist Medellín die zweitgrößte Stadt. Die Stadt ist aufgrund ihres ganzjährig sonnigen und warmen Klimas als „Stadt des ewigen Frühlings“ bekannt.

Am ersten Tag in Medellín nahmen wir an einer  Free-Walking-Tour teil. Wir trafen uns mit der Gruppe an einer zentralen Station der Hochbahn. Wir hatten einen ausgezeichnet informierten und engagierten lokalen, sehr gut Englisch sprechenden Führer Julio, der uns zu den wichtigsten Plätzen der Innenstadt brachte und uns sehr anschaulich über die bewegte Geschichte der Stadt informierte. Er nahm deutlich gegen die  Heroisierung des Drogenbarons Escobar Stellung und berichtete anschaulich von eigenen Kindheitserinnerungen aus den achtziger Jahren als Medellin die gefährlichste Stadt der Welt war. 

Detail aus dem „Denkmal der Rasse“ von Betancur, bedeutender Bildhauer Medellins.

Das himmelsstürmende Denkmal für die Rasse von Rodrigo Arenas Betancur  (1919-95) beim Verwaltungszentrum La Alpujarra ist 38 Meter hoch und thematisiert die konfliktreiche Geschichte Kolumbiens.


Parque de las Luces: Der Park der Lichter ist ein modernes städtisches Konzept, das sich durch seine charakteristischen beleuchteten Säulen auszeichnet.


Die Eremita de Veracruz ist die älteste Kirche von Medellin. 

Der Belgier Augustin Goovaerts (1885-1939) errichtete ab den 1920ern dieses imposante Bauwerk im neugotischen Prunkstil als Gouverneurs Sitz für Antioquia.

Die Kirche Iglesia de la Candelaria wurde ursprünglich 1649 als älteste Kirche der erst 30 Jahre später gegründeten Stadt als einfacher Bau aus Holz mit einem Strohdach errichtet. Das dreischiffige Gotteshaus diente zwischen 1868 und 1931 als Kathedrale des Erzbistums Medellin und gilt als wichtigste Kirche der Stadt.

Medellín gilt heute als Vorzeigestadt Lateinamerikas. Gründe hierfür sind die erfolgreiche Integration der zuvor schwer zugänglichen städtischen Randbezirke, deren Anschluss an die Stadt mit preiswertem kommunalen Nahverkehr und Seilbahnen sichergestellt wurde, die Stärkung von Kunst, Kultur und Sport im öffentlichen Raum sowie breite Investitionen in Bildung und Hochschulen. 2012 wurde Medellín vom Wall Street Journal zur innovativsten Stadt der Welt ernannt. Noch in den 90er Jahren war die Stadt von einer hohen Kriminalitätsrate geplagt gewesen, nahm seither jedoch eine rasante Entwicklung und ist heute für seine erfolgreiche Stadtentwicklung weltweit anerkannt.

Das pompöse Einkaufszentrum mit zahlreichen Kunst-Galerien im Centro Comercial Palacio National.


Fernando Botero gehört zu den wichtigsten südamerikanischen Künstlern. Er wurde 1932 in einfachen Verhältnissen in den Anden Kolumbiens geboren (gestorben 2023 in Monaco).

Bereits Ende der 1950er Jahre hat Botero zu seinem eigenen, heute weltberühmten Stil gefunden. Sein Thema ist der Mensch, das menschliche Leben mit all seinen Facetten. Die Darstellung der Figur erlebt eine besondere Ausprägung in seinen Arbeiten, denn er zeigt den menschlichen Körper wie auch alle anderen Formen in überzeichneten Proportionen.  Alle seine Figuren sind dick – sehr dick. In seiner Ästhetik sind dicke Menschen schön. Dazu gehören Könige, Soldaten, aber auch Tänzerinnen und Toreros, die man eher mit dünnen Figuren assoziieren würde. 1977 schuf er beispielsweise eine Variation von Leonardo da Vincis Mona Lisa mit kugelrundem Gesicht. Auf diese Art und Weise steigert er die sinnliche Präsenz, ein Stilmittel, das fortan zu seinem prägenden Gestaltungsmerkmal wird. 



Im Museo de Antioquia am Boteroplatz gibt es in der dritten Etage eine Dauerausstellung mit Plastiken und Gemälden des Künstlers - Botero satt! Insgesamt zeigt das Museum sehenswerte Sammlungen mit interessanten temporären Ausstellungen. 

Mit diesen netten Landsleuten haben wir uns während der Stadtführung zwischendurch mal unterhalten.

An der Ostseite des San Antonio Parks stehen zwei Skulpturen Fernando Boteros. Die eine stellt die orginale Friedenstaube des Künstlers dar, die durch eine Autobombe eines Drogenkartells völlig zerfetzt wurde, was damals auch zahlreichen jungen Leuten das Leben kostete. Die andere ist eine später angefertigte Replik dieser Friedenstaube, welche Botero hier aufstellen ließ, um zu zeigen, dass Kunst stärker ist als Gewalt. 

Spaziergang durch die Comuna 13

San Javier (amtliche Bezeichnung Comuna N.º 13 San Javier) ist eine der insgesamt 16 Comunas (Stadtteile). Über Jahre hinweg war die Comuna 13 Kriegsgebiet, in dem wechselnde Parteien um die Oberhand kämpften. Mit dem Terrorregime von Drogenkönig Pablo Escobar tobte in Medellín und ganz Kolumbien ein Bürgerkrieg zwischen Sicherheitskräften, rechten Paramilitärs und der linken Farc-Guerilla.

Eine Plastik der Erdmutter stellt in der Comuna 13 einen neuen Fotospot dar. Zugang nur mit Eintritt. 

Noch in den 1980er Jahren litt der Stadtteil unter dem  Medellín-Kartell und war bekannt geworden für blutige und tödliche Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Drogenbanden. Die Bedeutung des Medellín-Kartells war durch die starken sozialen Spannungen, großen Klassenunterschiede, Arbeitslosigkeit und auch durch den anhaltenden Bürgerkrieg und durch große Gewaltbereitschaft in der Comuna 13 mit bedingt.

Im Eingangsbereich des innovativen Teils der Comuna 13 sind viele Verkaufsstände.


Wir nahmen wieder an einer Free-Walking-Tour teil, die diesmal eher enttäuschend war, da unser Führer sehr schüchtern und nur wenig begeisternd über das Stadtviertel informieren konnte. Im Gegensatz zu der tollen Tour, die wir im Zentrum gemacht hatten, war die Enttäuschung umso größer, da wir von verschiedenen Seiten gehört hatten, dass die Comuna 13 ein Highlight wäre.


Die Erdmutter

Der Junge musste sich entscheiden zwischen Terror oder Kunst. Selbstbildnis des Künstlers als Junge.




Ein Symbol für den Wandel in der Comuna 13 ist die Installation von Rolltreppen. Sie wurden gebaut, um den Bewohnern den steilen Aufstieg zu erleichtern und die Mobilität zu verbessern.
Die Freiluft-Anlage mit einer gesamten Rolltreppenlänge von 348 Metern, die in sechs Abschnitte unterteilt ist, überwindet einen Höhenunterschied von umgerechnet rund 28 Stockwerken.

Neben der saubersten Metro „weltweit“ zählt auch die Kabelbahn zu den innovativen Verkehrsmitteln der Stadt. Wir fuhren eine Runde und erinnerten uns an die Kabelbahnen in La Paz, die auch die entlegensten Orte der Stadt erreichen.


In der Nähe des Zentrums befindet sich ein von Verelendung geprägtes Stadtviertel.

Das Museum Gomez

Pedro Nel Gómez (4. Juli 1899 - 6. Juni 1984) war ein kolumbianischer Maler und Bildhauer, der als einer der bedeutendsten Vertreter des sozialen Realismus in der kolumbianischen Kunstgeschichte gilt. Das Museum Casa Pedro Nel Gómez befindet sich im historischen Stadtviertel Aranjuez. Das Haus, in dem das Museum untergebracht ist, diente einst als Wohnsitz und Atelier des Künstlers. Es widmet sich der Erhaltung, Förderung und Ausstellung der Werke des Künstlers sowie der Verbreitung seines kulturellen Erbes. 

Ein "Gomez" auf einem der umliegenden Häuser.
  1. Gómez war stark von sozialen und politischen Themen beeinflusst. Seine Kunst reflektierte die sozialen Ungleichheiten, die Armut und die Arbeitsbedingungen der arbeitenden Klasse. Er strebte danach, Kunst als ein Mittel zur sozialen Veränderung einzusetzen. Gómez setzte verschiedene malerische Techniken ein, darunter Fresken, Wandmalereien und Gemälde auf Leinwand. Seine Werke sind oft farbenfroh und zeichnen sich durch eine klare, ausdrucksstarke Darstellung aus.



  2. Der Eingangsbereich des Museums soll an eine römische Villa erinnern. 
Wieder das Motiv der Erdmutter. 



Im botanischen Garten von Medellin


Die Leguane im botanischen Garten laufen frei herum.


Blüte der Bananenpflanze


Teich im botanischen Garten 

Ausflug zum Piedra del Penon und nach Guatape
Wir nahmen an einer organiserten Tour teil, die zahlreich beworben wurde. Mit dem Bus ging es von Medellin nach einer zweistündigen Fahrt zum Stauseengebiet inmitten einer hügeligen Landschaft mit zerklüfteten Tälern zwischen den Gemeinden El Penol und Guatape.
Zunächst ging es zum Piedra del Penon, eines 200 Meter hohen, grauen Granitmonolithen, der vom Stausee aus an den Zuckerhut von Rio des Janeiro erinnert.
In einer Falte des teils makellos glatten, teils von Epiphyten überzogenen Felsens führen 659 schwindelerregende Treppenstufen auf die Bergspitze (Eintritt!) mit fantastischer Sicht in die Umgebung (je nach Wetterverhältnissen) und jede Menge überteuerten, touristischen Schnick-Schnacks.


Oben angekommen, gab es wenig zu sehen! Am Nachmittag wäre der Ausblick besser gewesen.

Motive aller Art findet man an den Häusern Guatapes
Nach der Rückkehr vom Felsen brachte uns der Bus den kurzen Weg nach Guatape, wo wir die meiste Zeit verbrachten, einschließlich eines Mittagsessens und einer Bootsfahrt über einen Teil des Stausees.


In Guatape, das teilweise nicht mehr authentisch ist, sondern nachgebaut, dominieren puppenhaft bunte Häuschen mit traditionell gestalteten Zementsockeln, einige rein ornamental, andere die Ortsgeschichte thematisierend (siehe Foto) und manche Familienzeichen wiedergebend.

Die Reisegruppe vor der Ortkirche von Guatape.

Mit netter Reisebegleitung aus Berlin an Bord des Schiffes bei der Fahrt über den wenig Wasser führenden Stausees.


Der Piedra del Penon vom Stausee bei Guatape aufgenommen.

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